Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, die am 11. Oktober zu Ende ging, stellte Robert Habeck in gleich mehreren Podiumsgesprächen und Interviews sein neues Buch „Arctic Meltdown- Die Neuvermessung der Welt“ vor. In einem davon, nämlich im Gespräch mit dem taz-Journalisten Peter Unfried, konnte unser Vorstandsmitglied Gisela Rau einen Platz in der ersten Reihe ergattern. Die Kernaussagen des Gesprächs fasst sie gern für uns zusammen.
Der Klimawandel bewirkt nicht nur Wetterextreme, Kreislaufbeschwerden und Hitzetode, sondern wirkt sich ganz direkt auf die globale Sicherheitspolitik aus: In der Arktis sehen wir das aktuell wie ein einem Live-Laboratorium. Robert Habeck verdeutlichte, dass der Klimawandel nicht nur eine ökologische Katastrophe ist, sondern die bestehende internationale Friedensordnung gefährdet. Durch das Schmelzen des Eises werden neue Handelswege und Ressourcen zugänglich, was die Region zu einem Schauplatz für Machtkämpfe der Großmächte macht.
Besonders kritisch beleuchtete Habeck die strategischen Ziele der Weltmächte. Er führte aus, dass die Arktis derzeit „neu vermessen“ wird, wobei geopolitische Interessen oft über den Klimaschutz gestellt werden. Ein konkretes Beispiel hierfür sei der Anspruch von Donald Trump auf Grönland, der den globalen Blick verstärkt in den Norden lenke. Aber auch China und Russland haben sich zu „arktisnahen Staaten“ erklärt und Interessen angemeldet.
Statt einer rein pessimistischen Sicht skizzierte Robert Habeck die Notwendigkeit, die globale Sicherheitsordnung an die neuen Realitäten anzupassen. Für uns Grüne bedeutet dies: Klimaschutz ist untrennbar mit Sicherheitspolitik verbunden. Wir müssen uns für eine internationale Kooperation einsetzen, die den Schutz der Arktis über nationale Profitinteressen stellt, um einen neuen Krieg in der Region zu verhindern. Was uns als Deutschland eigentlich angeht? „Wir müssen uns schon entscheiden, auf welcher Seite wir stehen,“ sagte Habeck, wenn autoritäre Großmächte gerade dabei sind, sich ganze Regionen unter den Nagel zu reißen. „Denn wenn sie das tun, werden sie sich auch Europa unter den Nagel reißen“, mahnte er und erinnerte, dass Diktatoren nichts mehr hassen würden als die Idee der Begrenzung von Macht.
Ob Habeck mit dem Buch seiner Zeit voraus sei, wollte Unfried von ihm wissen. In der ihm typischen Bescheidenheit antwortete er darauf mit einem klaren Nein – wenn man von Skandinavien aus schaue, sei das Thema dort allgegenwärtig. Er habe also lediglich etwas in Perspektive gerückt, was in Deutschland momentan nicht so im Fokus stehe.
„Arctic Meltdown – Die Neuvermessung der Welt“ ist am 01.10.2026 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen und gleich auf Platz 1 der Sachbuch-Bestsellerliste eingestiegen. Es bietet eine fundierte Analyse der komplexen Zusammenhänge von Klima und Geopolitik und ist eine dringende Einladung, unser Verständnis von globaler Sicherheit neu zu denken.